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Es ist eigentlich ziemlich verrückt. Unsere gesamte Demokratie hängt an einem Stück Papier. Nichts geht ohne diesen Zettel. Ein paar Tausend an einem Sonntag zusammengefaltete Blätter Papier ermöglichen es, die Macht des Volkes zu übertragen. Und danach werden Steuern erhoben, Kitas gebaut und Kriminelle gejagt. Wegen eines Zettels.

Dieser Text ist auf meine persönliche Webseite umgezogen. Sie finden die Analyse und einen Neuentwurf der Stimmzettel unter folgendem Link:

https://fredericranft.de/artikel/design-analyse-der-stimmzettel-zur-kommunalwahl-gute-gestaltung/


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Die SPD steht „am Abgrund“. Was so apokalyptisch klingt, ist eigentlich ziemlich normal. Parteien kommen und gehen. So wie Unternehmen. Apple ist dem sicher geglaubten Untergang einmal entkommen. Wie haben die das gemacht? Und was kann die SPD davon lernen?

Dieser Artikel ist auf meine persönliche Webseite umgezogen. Sie finden ihn nun unter folgender Adresse:

https://fredericranft.de/artikel/was-die-spd-von-apple-strategie-comeback-lernen-kann/


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Die SPD hat eine einfältige Vorstellung von Vielfalt. Deswegen scheitert sie an ihrer Aufgabe: Fortschritt und Zusammenhalt.

Wozu braucht es die anderen Parteien?

Wer will, dass es irgendwie so weiter geht wie bisher, wählt die CDU. Wer will, dass wir unseren Planeten retten, wählt die GRÜNEN. Wer will, dass der Einzelne so viel Freiheiten bekommt wie möglich, wählt die FDP. Wer die linke Revolution will, wählt die Linke. Wer der Politik den maximalen Protest zeigen will oder ein Arschloch ist wählt die AfD.

Wer wählt die SPD?

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Quelle: „Populäre Wahlen“ der Bertelsmann Stiftung

Alle wählen die SPD. Aber eben nur noch 20% von allen:
a) Die Wähler der SPD sind so unterschiedlich wie bei keiner anderen Partei.
b) Es gibt keine Partei, bei der sich mehr Menschen vorstellen könnten ihr Kreuz zu machen als bei der SPD (ca. 35–40%). Es gibt keine Partei, bei der weniger Menschen kategorisch ausschließen (ca. …


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Das schädlichste Gefühl in einer Demokratie ist es, zu glauben es würde sich ja eh nie etwas ändern. Nicht, weil es stimmen würde. Das tut es nie. Auch nicht, weil dieser Glaube die Wahlbeteiligung sinken lässt. Manchmal trifft danach das Gegenteil ein. Das Gefühl ist so schädlich, weil es die eigene Wahl einschränkt. Einem keine wahre Wahl mehr lässt.

Es ist verdammt verlockend eine bestimmte Wahl für sich zu rechtfertigen, weil sich ja eh nichts ändert. Dann kann man nicht wählen, oder die Wahl ist eben egal. Die Partei, hihi.

Mindestens genau so verlockend ist es aber, eine Wahl zu treffen, damit sich „endlich mal etwas ändert“. Endlich mal Bewegung, etwas unterhaltsames Spektakel, einfach mal neu denken. Vielleicht kann man ja dieses Mal, vielleicht sogar ein für alle Mal, die alten Probleme loswerden. Dafür kann man sich doch begeistern. Das muss doch mal möglich sein!

Die SPD hat schwere Zeiten hinter sich. Da liegt es nahe, etwas grundsätzlich zu verändern. Wenn die Große Koalition der Partei in der Vergangenheit geschadet hat, inhaltlich, personell und bei Wahlergebnissen, muss sich die SPD vielleicht von dieser Koalition befreien. Und alle SPD-Mitglieder und die halbe Republik glauben jetzt, die SPD hätte beim Mitgliedervotum diese Wahl. Jetzt kann sich endlich mal etwas ändern. Nur nicht schon wieder weitermachen wie bisher! Sonst droht der Untergang der Partei! Überall Sargnägel! …


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Es ist vorbei.

Die Kampagne der CDU endet. So, wie sie es muss.
Merkel — sonst nichts. Das reicht.

Ein Blazer als Rüstung, wie die Halskette in grau.
Die Farbenspiele der Parteien braucht sie nicht mehr.

Ein mildwarmes, maximal kleines Lächeln.
Die kühle Klarheit in den Augen.

Ein Close-Up wie in Fels gemeißelt.
Im Rücken die schwarz-rot-goldene Dynamik.

Drei Worte leiser Text.
Keine Prognose, stattdessen eine Prophezeiung.

Merkel im Licht.
Um uns die Dämmerung.

Überall Gegensätze.
Keine Trade-Offs.

Ein letztes perfektes Plakat.
Ihr Wahlkampf endet.

Es ist Zeit.

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Während der demokratische Alltag aus Teil I uns vor allem etwas über die alltäglich gelebte Demokratie verrät, wird es für sie zum Wahltag hin schon deutlich riskanter. Dann lenkt uns das Ideal von den Chancen und Risiken neuer Oberflächen, wie dem TV-Duell, ab.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich als Gestalter wirke wie der Depp mit dem Hammer, der überall nach Nägeln sucht: Was ich hier beschreibe, wirkt auf mich wie ein klassischer Designfehler.

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Bild: sweet-juniper.com

Mit der Demokratie haben wir uns etwas in die Welt geworfen, das ganz anders funktioniert als erwartet. Die Gestalt und der Gehalt von Demokratie hängen zusammen. Wir erzählen uns aber kontinuierlich, dass sie nur in einer bestimmten, sehr romantisierten (rationalen, aufklärerischen) Art genutzt werden dürfe, für die die Form nicht relevant ist. …


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Wenn wir über Demokratie reden, schätzen wir Meinungen, Engagement und zählbare Aktivität. Inszenierungen und deren Konsum betrachten wir mit Skepsis, sehen sie häufig als verzichtbar an. Es bleibt dabei, die vermeintlich oberflächlichen Dinge haben es schwer:

Dabei sind Oberflächen die Stellen unserer Demokratie, an denen wir Politik durch Bilder, Symbole, Zeichen und Gesten erst erleben können. Oder anders ausgedrückt: an denen wir Politik beobachten, kontrollieren, erspielen und entscheiden können. Sie prägen sie im Alltag stärker als jede Verfassung, jedes Wahlgesetz oder informelle politische Abkommen. Sie sind die unsichtbaren Stützen, die unsere Demokratie tragen, fortbilden und so erst ermöglichen.

Im Normalfall redet niemand über sie. Im Wahlkampf beschäftigen sie uns dann für wenige Wochen zwangsweise. Sie beschäftigen die Politik, weil man ja irgendwas auf diese Plakate bringen muss. Und die Journalisten, weil man über sie so einfach Artikel schreiben kann. Da wird noch schnell das belangloseste Plakat in ein passendes Narrativ gepresst, um irgendwie Inhalt zu generieren: Als Analyse getarnte Bildunterschriften. …


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Unser Ideal von Demokratie geht davon aus, dass Demokratie durch die aktive Stimme des Einzelnen bewirkt wird. Der artikulierte Wille des Volkes, der so in politische Entscheidungen mündet.

Die anderen demokratischen Feinheiten, wie z.B. Wahlsysteme, ergeben sich nachrangig. Was nicht bedeuten soll, dass die Feinheiten nicht wichtig wären. Mir geht es hier aber um diesen sehr eng gerichteten Fokus. Denn an diesem Ideal messen wir, ob Demokratie funktioniert, was wir von jedem Einzelnen erwarten dürfen, und ergründen fortlaufend, wie man Demokratie besser machen könnte.

Die »ideale aktive Stimme« kann auf mehreren Wegen in den politischen Prozess eingebracht werden. …


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tl;dr — Proeuropäische Politiker müssen sich um die wahrnehmbare Oberfläche Europas kümmern, um dessen Tiefe zu retten.

Europas fehlende Oberflächlichkeit

Oberflächen haben es schwer. Im Alltag erleben wir sie nur beiläufig, sie sind selten erwähnens- oder bemerkenswert. Und wenn es darauf ankommt, genügen sie nicht. Dann begeben wir uns lieber in die Tiefe: Grundsatzdebatten, der Inhalt zählt. Dinge werden hinterfragt und durchgearbeitet bis wir unter der Oberfläche sind. Hinter ihr steckt bekanntlich mehr — wir vermuten: die Wahrheit. Alles andere ist nur oberflächlich oder gar Täuschung.

Dieser Text ist auf meine persönliche Webseite umgezogen. Sie können ihn unter folgendem Link sofort weiterlesen:

https://fredericranft.de/artikel/europas-fehlende-oberflaechlichkeit-kommunikationsanalyse-design-eu/


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Ein berühmter und beliebter Schauspieler spricht direkt an das britische Publikum, und erklärt wer die wichtigste Wahl im Land gewinnen soll. Kann Jemand, dessen Beruf es ist eine Rolle anzunehmen, das glaubhaft tun?

Inszenierte Authentizität

Damit der Coup gelingen kann nehmen die Strategen von Labour, für die Martin Freeman werben soll, mehrere Hürden in der Inszenierung.

1. Die Vorderbühne

Zum Einen ist da die weiße Wand vor der wir Martin Freeman sprechen sehen. Wahrheit funktioniert vor Weiß am besten. Die Farbe ist wertfrei, rein und unschuldig. Vor ihr kann man nicht lügen. Ein Professor James Moriarty würde nie vor einer weißen Wand sprechen, und Smaug fliegt auch lieber durch die Dunkelheit der Nacht.

Freeman steht in einem Raum in dem gar nichts dunkel ist. Er wird im Studio ausgeleuchtet wie Morpheus, der Neo zum ersten Mal über die Wahrheit der Welt aufklärt. Während im Fernsehen die düstere Lüge gesendet wird, erklärt Morpheus vor dem weißen Hintergrund wie die Welt wirklich ist. Und bei all dem hellen Licht lenkt kein einziger Schatten von der Wahrheit ab. …

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f_ranft

Ich gestalte Kommunikation. Alle Artikel auf https://fredericranft.de/artikel/

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