Freie Demokraten

Wie sich die Liberalen frei machen

Die Macht von Gestaltung allein ist begrenzt. Sie tritt auch nur selten öffentlich in Erscheinung. Sie wirkt, wenn sich Gestaltungselemente langfristig mit Assoziationen aufladen, im Verborgenen, unbewusst im Kopf des Betrachters. Bei den Liberalen wird sie nun kurzfristig einen kleinen Teil der öffentlichen Debatte ausmachen. Ein Schlaglicht trifft auf das neue Logo, dass sich die Liberalen zum Dreikönigstreffen geben.

Das neue Logo der FDP

Kein blaues Wunder

Es beginnt mit einem großen Bluff, der bei den Medien aber bereits funktioniert hat. Dass es bei der FDP eine neue Farbe geben würde ist seit Wochen bekannt. Eine, die die Partei wärmer und menschlicher erscheinen lässt. Diese Wunderwaffe des Farbspektrums lautet Magenta, und ist eigentlich nicht neu. Die FDP nutzte Magenta seit Jahren als Störerfarbe auf ihren Plakaten (wie auch die Grünen). Im deutschsprachigen Raum ist sie bereits von den liberalen Neos in Österreich besetzt. Neu ist an der Farbwahl also nicht viel.

Begriffsrochade

Die größte Änderung, der eigentliche Bruch, erfolgt in der Schriftmarke. Das Kürzel FDP wird im magenta-farbenen Balken deutlich abgewertet. Das Akronym scheint sich im politischen Kontext etwas überlebt zu haben (Die Grünen, die Linke, die Rechte, Freie Wähler …). Es dominiert nun das erzählerische »Freie Demokraten«. Es ersetzt die alte Unterzeile »die Liberalen«. Kein offensiver, aber ein kluger Schachzug. Der Turm als „neue Freiheit“ wirft sich schützend vor den König FDP.

Logo im Wandel

Die Form

Auch bei der Form des Logos macht die FDP einen deutlichen gestalterischen Fortschritt. In der alten Variante war seit langem verwirrend, dass es fast ein Quadrat war. Aber eben nur fast. Die minimal größere Breite taugte nicht um sich klar vom Quadrat abzusetzen. Das ist nun anders. Das Logo bekommt eine epische ausufernde Breite die in der Anwendung viel Raum erfordern wird. Das ist in der Umsetzung häufig unpraktisch, kann aber sehr elegant und selbstbewusst wirken. Betont wird die Breite zusätzlich durch den horizontalen magentafarbenen Balken mit viel inneren Raum nach links (Wahrscheinlich keine politische Aussage).

Was noch offen bleibt

Update: Das neue Logo in Anwendung mit der DIN.

Kurzfristiger Erfolg! Langfristige Wirkung?

Die Umstellung des Logos hat aber bereits etwas erreicht. Auch wenn die ersten Kommentierungen eher negativ ausfallen, produziert das neue Logo zumindest kurzfristig eine Nachricht. Ein Artikel mehr in der Tageszeitung, ein Aufmacher mit dem neuen Logo auf Bild.de (andere werden wohl nachziehen), vielleicht eine Einblendung in der Tagesschau, sind für eine Partei, um die es im letzten Jahr sehr ruhig geworden ist, schon etwas Wert. Das neue Logo zieht Aufmerksamkeit auf das Dreikönigstreffen.

Ich gestalte Kommunikation. Alle Artikel auf https://fredericranft.de/artikel/

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